Thursday, 28 July 2011

Daddy Cool

Ist aber auch ein Fratz, das Tier.
Heute Nachmittag kommt mein Dad zu Besuch. Ich weiß gar nicht, wie lange ich ihn schon so nenne, aber ich fand schon früh, dass es besser zu ihm passt als "Papa". Mein Dad kommt aber nicht um mich zu sehen (glaube ich), sondern des Katers wegen. Wäre ja auch noch schöner.
So kriegt der Kater jedesmal Taschen voll mit Spielzeug und Leckerlis.
Bleibt dann vom Budget was übrig, kriege ich auch was. Strumpfhosen zum Beispiel. Ich denke, die Prioritäten sind eindeutig.

Nun ist das immer so eine Sache mit meinem Dad, denn wenn der hier ist, heißt das für mich Stress pur. Dazu muss man wissen, dass er nicht gerade einfach im Umgang ist.
"Eigenbrödler" trifft es ganz gut. Jemand hat mal gesagt, Mathematiker seien immer etwas seltsam, das gehöre zum Berufsbild. In diesem Fall trifft das zu. Ich habe ja die Vermutung, dass er autistische Züge hat, aber das könnte ich ihm niemals sagen. So kann man an ihm winkend und rufend vorbei laufen, er bemerkt einen trotzdem nicht, weil er wahrscheinlich in seiner Gedankenwelt versunken ist. Andere interpretieren das oft als Arroganz, aber man lernt damit umzugehen.
Als ich noch zur Schule ging, hat er mir das Leben zur Hölle gemacht, da ich, obwohl mein Notenschnitt immer gut war, in Mathe regelmäßig total Ausfälle produziert habe. Formeln und Gleichungen mag mein Hirn nicht. Das konnte mein Vater, der nach eigener Aussage findet, dass Kurvendiskussionen Spaß machen, natürlich nicht verstehen. Wem macht denn sowas bitte Spaß?! Das ist meine Persönliche Vorstellung von Folter. In der Tat habe ich auch heute noch den Alptraum, ich stünde kurz vor dem Uniabschluss, nur um rauszufinden, dass mir noch zwei Scheine in Mathe fehlen. Danke Vater.
Für Binomische Formeln ließen sich die Schafe trotz besten
Bemühens nicht begeistern.

Dann hat mein Vater einen Hang dazu, Gesetze zu unterwandern, und gegen Regeln zu verstoßen. Aber immer nur im kleinen, und immer nur dann, wenn es für mich peinlich wird. Zum Beispiel, ich war noch klein, erst so um die 8, als er mir sagte, ich solle dem Busfahrer sagen, ich sei erst 5, damit ich umsonst fahren darf.
Danke auch.
Davon betroffen sind auch: "Nicht Anfassen" Schilder in Museen, Fotografie - Verbote, Rasen betreten Verboten Schilder, Blumen und Handtuch klau in Hotels etc, einführen von Landesfremden Blumen und Pflanzenarten im Koffer (Er hat eine ganze Sammlung von Pflanzen, die er aus irgendeinem Urlaub mit nach Hause geschmuggelt hat), und gerne auch das entwenden von Biermatten aus Pubs.

Es ist eh seltsam, wie oft er mich besuchen kommt, seit ich in der Neuen Heimat wohne. Als ich noch in einer anderen Stadt wohnte, auch Ausland, und auch kulturelle Touristenhochburg, war er nur ein einziges Mal in drei Jahren da, und durfte mir als Strafe gleich spontan beim Umzug in die Alte Heimat helfen, aber das ist eine andere Geschichte.

So kommt also mein Dad nun schon zum dritten Mal innerhalb eines Jahres. Wahrscheinlich auch wegen der Pubs, in die ich regelmäßig verschleppt und mit Gin & Tonic ruhig gestellt werde.
In den sechzigern sei er ja bereits hier gewesen, habe seine erste und einzige Zigarette geraucht und The Who live gesehen, die nach seiner Aussage aber "zuviel Krach" gemacht haben. D'UH!

Und er lernt dieses mal Steve McQueen kennen, der schon fleißig an einer Kneipentour bastelt. Das kann lustig werden.

Fortsetzung folgt!

7 comments:

  1. Habe sehr grinsen müssen über die Beschreibung "Mathematiker" - kann mir sehr gut was darunter vorstellen, da ich durch mein Studium sehr viele Leute der Spezies kenne ;)
    Übrigens bin ich sicher nicht die typische Mathematikerin (so wie ich auch nicht die typische Anglistin bin, denn Mathe und Anglistik passen so was von nicht zusammen, das versteht man erst, wenn man das gleichzeitig studiert), aber Kurvendiskussionen mag ich auch :)

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  2. Ich finde, das klingt gut.

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  3. Ist ein lustiger Geselle, keine Frage. Ich werde vieleicht mal ein paar Stories von meinem Dad bringen. Die wo er Polizistinnen beleidigt hat und davon gekommen ist (peinlich) oder die, wo ihm die Sohlen am Etna weggeschmolzen sind (auch peinlich). Da gibt es ne Menge.

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  4. Musste doch sehr schmunzeln.... wäre gerne so ein Dad geworden. War ich auch - aber dann? Ich kenne bis heute nicht die Antwort meiner Tochter..... es oder sie gibt mir keine. Schade. Ach ja, hab auch einen Enkel. Ich wünsche viel Spass!!!!!!!

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  5. @Dieter: Das verhältnis zu meinem Dad war auch lange Zeit gestört (das ist nett ausgedrückt).
    Heute dagegen verstehen wir uns super.

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  6. Wenn ich Dein Dad wäre, wäre auch oft in Deiner "neuen" Heimatstadt. :)

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