Wednesday, 21 December 2011

Turbulenzen auf halb 8

Der Monat war ja bislang sehr Ereignisreich für mich, jedenfalls konnte von Langeweile keine Rede sein.

Generell bin ich ja der Meinung, dass viele Menschen verlernt haben, sich anständig zu langweilen. Kann man das nämlich nicht, weiß man manche Aufregung (jedenfalls positive) gar nicht erst zu schätzen.
Immer lenken wir uns ab, mal hier mit dem Telefon, mal dort mit 130 Kanälen, mit dem Chatfreund in Nicaragua, dem Teenager der uns bei Battlefield, oder wo auch immer die Rübe wegballert, oder der Orchideenzucht im Schlafzimmer.

Ich langweile mich ab und zu gerne. Nur hab ich viel zu wenig davon. Immer wenn ich denke: "So, jetzt ist hier endlich mal Ruhe", kracht es wieder irgendwo.
So hatte ich mich saumäßig darauf gefreut, das erste Mal seit 4 Jahren Weihnachten ohne Prüfungsstress verbringen zu können. Und dann ist dieser arschige Monat passiert. Und sobald, und so heftig, wie das Gewitter kam, schien es sich auch zu verziehen. Fast wage ich es mich sogar, mich etwas auf Weihnachten zu freuen (bloß nicht zu früh freuen, in drei Tagen kann noch einiges passieren!).

Aber ich wäre ja nicht ich, wenn die nächste Regenfront nicht schon in den Startlöchern steckte. Macht ja auch Sinn, hier auf der Insel. Regnet ja immer (dann, wenn man es nicht braucht, Sommer z. B.).

So kam es, dass ein sehr guter Freund von mir, von dem ich weiß, dass er wegen Problemen mit Drogenmissbrauchs in Therapie ist, vor kurzem einfach nicht mehr zu erreichen war.
Zwar bezieht sich sein Problem "nur" auf Ketamin, dass hie bis vor wenigen Jahren sogar legal erhältlich war (aber nichts desto trotz ein Sauzeug ist, damit werden sonst Tiere betäubt), ich weiß allerdings, dass Bekannte von uns schon lngst weiter abgerutscht sind.

Man muss dazu wissen, dass Drogen hier auf der Insel ganz anders wahrgenommen werden als bei uns. Ich kenne weniger Leute die noch nie zumindest mal probiert haben, als solche, die die Finger davon lassen. Selbst Enthüllungen von Prominenten führen keinen Skandal herbei, eher einen Schlterklopfer und die Frageob es denn wenigstens gut war.

Man könnte sagen, dass viele (nicht alle!) es als eine Art Ritual des Erwachsenwerdens betrachten.
Und in der Tat, sind viele, von denen ich weiß dass sie auf Parties gerne mal was genommen hatten (ehrlich, ich fand das immer eine Geld verschwendung, und ich hatte immer mehr Angst vor dem Zeug mit dem gestreckt wurde, als vor den Drogen selbst), mitlerweile damit nicht mehr hinterm Ofen hervorzulocken.

Und dann gibt es aber auch immer jene, für die das nie nur Spielerei und lächerliches Gebalze von Halbstarken war, sondern die das als Flucht vor der Realität sahen, als billiger, willkommener Ausweg aus der Konfrontation, der man sich zunächst wöchentlich, dann später täglich ausgesetzt sah.

Vielleicht weil ich nicht mit der "Rite of passage" Mentalität groß geworden bin, hab ich die Signale bei so manchem schon gesehen, als die anderen es noch als dumme Jungen Streiche abtaten.
Für so manchen ist der Zug mitlerweile abgefahren. Da würde es mich wundern, wenn die ihren 30. erleben. Aber was soll man jemandem sagen, der um sich herum immer noch Leute hat, die ihm erzählen, dass das alles kein Problem ist? Eben, man stößt auf taube Ohren.

Daher war ich umso erleichteter, als mir einer meiner ältesten Freunde erzählte, dass er sich nun endlich Hilfe geholt hat. Das ist allein deswegen schon so wichtig, weil niemand dahinter steht und ihn dazu antreibt, sondern weil er es von sich heraus will.
Wir haben daher in letzter Zeit fast täglich telefoniert.

Und dann wurde es plötzlich still. Keine Sms, niemand der das Telefon abhebt, keiner der anderen, die von ihm gehört haben.

Das ist der Zeitpunkt, an dem langsam die Panik hoch kommt.

Gestern habe ich dann von ihm gehört.

Er war eine Woche lang zum Entzug weg, die Therapie macht er auch noch. Er wohnt wieder bei den Eltern um sein Studium abzuschließen, und insgesammt hört sich das alles gut an.

Nur sind leider die Eltern Teil des Problems, das die Sucht erst ausgelöst hat. Dass die dazu in einem Kaff wohnen, in dem es zwar nichts zu tun, es dafür aber Dealer mit größerer Auswahl als Pizzaman und schnelleren Lieferzeiten gibt.

Das stößt mir etwas sauer auf. Aber wir werden sehen.

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